Sturzprophylaxe – So machen Sie Ihr Zuhause sicher
Jedes Jahr stürzen in Deutschland rund 4 bis 5 Millionen Menschen über 65 Jahre. Jeder dritte Sturz führt zu einer Verletzung – von Prellungen über Knochenbrüche bis hin zur gefürchteten Oberschenkelhalsfraktur. Dabei ließen sich viele Stürze vermeiden: durch einfache Anpassungen im Wohnumfeld, die richtigen Hilfsmittel und gezieltes Training.
In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, wie Sie Sturzrisiken erkennen, Ihr Zuhause sicherer machen und Ihre Mobilität stärken – für mehr Sicherheit und Selbstständigkeit im Alltag.
Warum ist Sturzprophylaxe so wichtig?
Ein Sturz ist für ältere Menschen oft weit mehr als ein blauer Fleck. Die Folgen können gravierend sein:
- Knochenbrüche – besonders Oberschenkelhals, Handgelenk und Wirbelkörper
- Verlust der Mobilität – nach einem Sturz trauen sich viele nicht mehr alleine zu gehen
- Angst vor dem nächsten Sturz – führt zu Bewegungsvermeidung und weiterem Muskelabbau
- Krankenhausaufenthalt und Pflegebedürftigkeit – ein Oberschenkelhalsbruch ist einer der häufigsten Gründe für den Übergang in die Pflegebedürftigkeit
Die gute Nachricht: Studien zeigen, dass sich bis zu 50 % aller Stürze durch gezielte Maßnahmen verhindern lassen.
Stolperfallen im Haushalt erkennen und beseitigen
Die meisten Stürze passieren nicht draußen, sondern in den eigenen vier Wänden. Gehen Sie einmal aufmerksam durch Ihre Wohnung und prüfen Sie:
Fußboden
- Lose Teppiche und Läufer entfernen oder mit rutschfester Unterlage sichern
- Kabel und Verlängerungsschnüre aus Laufwegen entfernen
- Schwellen und Stufen mit Kontraststreifen markieren
- Rutschige Böden (Fliesen, Parkett) mit rutschfesten Socken oder Hausschuhen begehen
Beleuchtung
- Alle Wege ausreichend beleuchten – besonders Flur, Treppe und Bad
- Nachtlichter mit Bewegungsmelder für den Weg zur Toilette
- Lichtschalter so platzieren, dass sie vom Bett und Türeingang erreichbar sind
Bad und Toilette
- Haltegriffe neben Toilette, Dusche und Badewanne anbringen
- Antirutschmatten in Dusche und Badewanne
- Duschstuhl oder Badewannensitz für sicheres Waschen
- Toilettensitzerhöhung für leichteres Aufstehen
Hilfsmittel für Sicherheit im Bad
Schlafzimmer
- Betthöhe prüfen – das Aufstehen sollte ohne starkes Bücken oder Hochziehen möglich sein
- Nachtlicht am Bett
- Telefon oder Hausnotruf in Reichweite
Treppen
- Beidseitige Handläufe anbringen
- Stufenkanten mit rutschfesten Streifen markieren
- Gute Beleuchtung der gesamten Treppe
- Keine Gegenstände auf den Stufen abstellen
Eingangsbereich
- Schwellen und Stufen mit Rampen überbrücken
- Fußmatten rutschfest befestigen
- Handlauf am Eingang anbringen
Rampen für barrierefreien Zugang
Hilfsmittel gegen Sturzgefahr
Die richtigen Hilfsmittel geben Sicherheit im Alltag und helfen, Stürze zu vermeiden:
Rollatoren und Gehstützen
Ein Rollator gibt Stabilität beim Gehen und bietet eine Sitzgelegenheit für Pausen. Wichtig: Der Rollator muss auf Ihre Körpergröße eingestellt sein und Sie sollten die richtige Handhabung beherrschen. Wir zeigen Ihnen beides.
Haltegriffe und Aufstehhilfen
Haltegriffe neben Toilette, Dusche, Badewanne und im Flur geben sicheren Halt. Sie lassen sich einfach nachrüsten und werden bei vorliegendem Pflegegrad von der Pflegekasse bezuschusst.
Antirutschmatten und -streifen
Einfach und effektiv: Antirutschmatten in der Dusche, auf Fliesen und auf Treppen reduzieren das Sturzrisiko deutlich.
Duschstühle und Badewannensitze
Sicheres Sitzen beim Duschen oder Baden schützt vor Ausrutschen und gibt Sicherheit – besonders bei Gleichgewichtsproblemen.
Toilettensitzerhöhung
Erleichtert das Hinsetzen und Aufstehen erheblich – besonders nach Knie- oder Hüft-OPs und bei Mobilitätseinschränkungen.
Hausnotrufsystem
Ein Notrufknopf am Handgelenk oder als Kette gibt Ihnen die Sicherheit, im Notfall schnell Hilfe zu bekommen – auch wenn Sie allein sind.
Nachtlichter mit Bewegungsmelder
Der nächtliche Gang zur Toilette ist eine der häufigsten Sturzsituationen. Nachtlichter, die bei Bewegung automatisch angehen, beleuchten den Weg, ohne dass Sie nach dem Schalter tasten müssen.
Gleichgewicht und Kraft trainieren
Neben der Anpassung des Wohnumfelds ist körperliches Training der wirksamste Schutz vor Stürzen. Regelmäßige Übungen verbessern Gleichgewicht, Kraft und Reaktionsfähigkeit:
Einfache Übungen für den Alltag
- Einbeinstand – stellen Sie sich neben einen Stuhl und halten Sie sich bei Bedarf fest. Ein Bein anheben und 10 bis 30 Sekunden halten. Seitenwechsel. Mehrmals täglich wiederholen.
- Fersen-Zehen-Gang – setzen Sie einen Fuß direkt vor den anderen, Ferse an Zehen. Gehen Sie so 10 Schritte vorwärts – wie auf einer Linie. Verbessert das Gleichgewicht.
- Aufstehen ohne Hände – setzen Sie sich auf einen stabilen Stuhl und stehen Sie auf, ohne die Hände zu benutzen. Trainiert die Oberschenkelmuskulatur. 10 Wiederholungen.
- Wadenheben – stellen Sie sich hinter einen Stuhl, halten Sie sich fest und heben Sie sich auf die Zehenspitzen. Langsam wieder absenken. 10 bis 15 Wiederholungen.
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten, bevor Sie mit einem neuen Trainingsprogramm beginnen.
Schuhe und Kleidung
Oft unterschätzt, aber wichtig für die Sturzprophylaxe:
- Festes Schuhwerk – auch zu Hause. Offene Pantoffeln und Socken auf glattem Boden erhöhen das Sturzrisiko erheblich.
- Rutschfeste Sohlen – achten Sie auf Schuhe mit griffiger Sohle, auch bei Hausschuhen.
- Keine langen, weiten Hosen – zu lange Hosenbeine können zur Stolperfalle werden.
- Kleidung, die nicht einengt – Bewegungsfreiheit ist wichtig für sicheres Gehen.
Medikamente überprüfen
Manche Medikamente erhöhen das Sturzrisiko – durch Schwindel, Benommenheit oder Blutdruckabfall. Dazu gehören unter anderem:
- Blutdruckmedikamente (Schwindelgefühl beim Aufstehen)
- Schlaf- und Beruhigungsmittel
- Bestimmte Schmerzmittel
- Antidepressiva
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihre Medikamente das Sturzrisiko beeinflussen. Setzen Sie Medikamente niemals eigenmächtig ab.
Wohnumfeldberatung – wir kommen zu Ihnen
Sie sind unsicher, wo in Ihrer Wohnung Gefahren lauern? Unsere Wohnumfeldberater kommen zu Ihnen nach Hause und prüfen Ihre Wohnsituation gemeinsam mit Ihnen. Wir identifizieren Stolperfallen, empfehlen passende Hilfsmittel und beraten Sie zu Fördermöglichkeiten – denn viele Anpassungen werden von der Pflegekasse bezuschusst.
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Häufige Fragen zur Sturzprophylaxe
Wer bezahlt die Hilfsmittel zur Sturzprophylaxe?
Viele Hilfsmittel wie Haltegriffe, Duschstühle, Toilettensitzerhöhungen und Hausnotrufsysteme werden bei vorliegendem Pflegegrad von der Pflegekasse übernommen oder bezuschusst. Für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen stehen bis zu 4.000 € pro Maßnahme zur Verfügung. Auch ohne Pflegegrad können bestimmte Hilfsmittel auf ärztliche Verordnung von der Krankenkasse übernommen werden.
Brauche ich einen Pflegegrad für eine Wohnumfeldberatung?
Nein, unsere Wohnumfeldberatung steht allen offen – auch ohne Pflegegrad. Für die Bezuschussung von Umbaumaßnahmen durch die Pflegekasse ist ein Pflegegrad allerdings Voraussetzung.
Welcher Rollator ist der richtige für die Wohnung?
Für drinnen eignen sich schmale, wendige Rollatoren. Für draußen brauchen Sie größere Räder und eine stabilere Konstruktion. Wir führen auch Kombinations-Modelle. In unseren Sanitätshäusern können Sie verschiedene Modelle testen.
Wie oft sollte ich Gleichgewichtsübungen machen?
Idealerweise täglich, mindestens aber dreimal pro Woche. Schon 10 bis 15 Minuten Übungen am Tag verbessern nachweislich das Gleichgewicht und reduzieren das Sturzrisiko. Fragen Sie Ihren Arzt oder Physiotherapeuten nach einem passenden Programm.
Ab welchem Alter ist Sturzprophylaxe sinnvoll?
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto besser. Ab 65 Jahren steigt das Sturzrisiko deutlich an. Aber auch jüngere Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, nach Operationen oder mit neurologischen Erkrankungen profitieren von gezielter Sturzprophylaxe.
Was soll ich tun, wenn ich gestürzt bin?
Bleiben Sie zunächst ruhig liegen und prüfen Sie, ob Sie sich bewegen können. Rollen Sie sich auf die Seite und versuchen Sie, sich an einem stabilen Möbelstück hochzuziehen. Wenn Sie sich nicht alleine aufrichten können, rufen Sie um Hilfe oder nutzen Sie Ihren Hausnotruf. Bei Schmerzen, Schwellungen oder Bewegungseinschränkungen suchen Sie umgehend einen Arzt auf.
